4. Städte im Mittelalter/ Stadtentwicklung

Europas Kultur und Zivilisation entwickelt sich in den Städten. Nach und nach tritt neben die kirchlichen Zentren (Klöster, Bischofskirchen) eine eher weltliche städtische Kultur und Lebensweise. Wodurch ist das städt. Leben geprägt wodurch unterscheidet sich das städtische Leben vom Leben auf dem Land? Inwiefern ist die Stadt eine Keimzelle des modernen Europa?

 

 

1) Wer gründete die ersten Städte in Europa?

 

Die Griechen gründeten ums Mittelmeer die ersten großen Städte in Europa  Sie prägten den Begriff Polis für den Stadtstaat. Die Römer führten dann den Hausbau mit festen Materialien im Mitteleuropäischen Raum ein. Damit begann die erste heute noch sichtbare Geschichte der Stadtentwicklung.

 

 

2) Wann begann die Stadtentwicklung in Mitteleuropa. Was zeichnete diese ersten Städte in Europa (Deutschland ) aus?

 

Die römischen Städte im Gebiet des heutigen Deutschland waren klar gegliedert. Die Straßen wurden in Rechtecke oder Quadrate eingeteilt. Nur an den Rändern passt sich das Schachbrettmuster den unebenen Gelände und den Landschaften an.

 

 

3) Welche deutsche Städte aus der Römerzeit überdauerten die Folgezeit nach dem Untergang des römischen Reiches?

 

Trier und Köln überlebten nach dem Untergang des römischen Reichs als Bischofsresidenz die nächsten Jahrhunderte. Wahrscheinlich schrumpften auch Worms, Mainz und Speyer auf einen kleinen Kern überlebten aber die Zeit der Völkerwanderung.

 

 

4) Welches waren die wichtigsten Standortfaktoren für die Gründung der Städte?

 

  Wichtige Faktoren waren zum Beispiel die Nähe eines Gewässers (Fluss, See oder Meer). Auch eine Kreuzung an wichtigen Handelsstraßen führte zu einer Stadtgründung und  alle großen und wichtigen Städte, die es auch heute noch gibt, entstehen/entstanden um weltliche und geistliche Zentren: Burgen, Klöster, große Kirchen/Dome (Bischofssitze). Nur Bischöfe und der Hochadel (Könige, Herzöge, Grafen) besitzen durch Einnahmen von den hörigen Bauern genügend Geld um Nachfrage nach handwerklichen Produkten und Waren der Kaufleute zu schaffen. Zur Befriedigung der Bedrüfnisse des Hochadels bzw. der Geistlichen (Bischöfe, Äbte) siedelten sich Kaufleute und Handwerker um die Burgen, Klöster, Dome etc. an. Sobald eine Ansiedlung von Bürgern bestand, entstand auch eine wechselseitige Nachfrage nach Produkten.

 

 

5) Welche Faktoren begünstigten die Entwicklung von Städten wie Nürnberg?  

 

Die Lage an einer Kreuzung von wichtigen Handelsstraßen, d er Schutz der mächtigen Kaiserburg und die Pegniz an deren beiden Ufer sich das mittelalterliche Nürnberg entwickelte. Neben Augsburg war Nürnberg der Hauptstapelplatz der Waren des Orienthandels

 

 

6) Welches waren die Hauptmerkmale der der mittelalterlichen Stadt (Gründung 1000 bis 1350)?

 

Die mittelalterliche Stadt war nun befestigt, und vom Umland klar getrennt. Auch dass die Häuser eng aneinander gedrängt waren und die prächtigen Patrizierhäuser am Marktplatz waren ein typisches Merkmal. a) Mauer, b) enge Bebauung, c) Marktplatz, d) Stadtherrensitz (Burg, Bischofssitz, evtl. Kloster) e) Stadtbürgerrecht

 

 

7) Was kennzeichnet die Städte des Absolutismus wie Saarlouis oder 

Freudenstadt, Karlsruhe?

 

Alte Mauern waren wirkungslos, nach militärischen Gesichtspunkten geplant, strenge Form (Sechseck, Fächerform); Wassergraben; zentrales Schloss (Karlsruhe): Bauweise ist auf das Schloss des absoluten Herrschers ausgerichtet.

 

Vauban ist der bekannteste Festungsbaumeister des Absolutismus (1650-1800). Er baute sternförmig angelegte Festungsanlagen um bereits bestehende Städte bzw. um die wenigen Städte, die in der Zeit des Absolutismus gegründet wurden (Freudenstadt, Ludwigsburg, (Karlsruhe)).

 

 

8) Warum kam es nach dem Mittelalter nur noch wenige neue  Stadtgründungen?

 

Die besten Siedlungsplätze waren belegt. Statt neue Städte zu gründen wurden die "alten" Städte erweitert. Explosionsartiges Wachstum einiger Städte mit dem Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland nach 1850.

 

  

9) Wie änderte sich das Aussehen der Städte mit der Industrialisierung nach  1850?

 

Stuckgeschmückte Paläste des neureichen Bürgertums (Industrielle Kaufläute); dahinter enge Gassen, Leben auf engstem Raum für die Arbeiterklasse (Mietskasernen)

 

 

10) Welche Ziele verfolgte die Bauplanung im 20. Jahrhundert?

 

Maschinenzeitalter, neue Formen, erschwinglicher Komfort für viele, Gartenstädte mit Reihenhäusern, DDR: „palastähnlichen“ Bauten für Arbeiter (eher Propaganda), danach Plattenbausiedlungen mit vorgefertigten Bauelementen; Vision: mobile Stadt

 

 

11) Historischer Atlas Baden-Württemberg - Südwestdeutschland: Städte im Mittelalter Historischer Atlas BW - Städte des Mittelalters Beiwort pdf. Wann wurden in Süddeutschland die Städte gegründet? Wie wird die Stadtentstehung erklärt?

 

Die meisten größeren Städte in Südwestdeutschland sind in der Zeit von 1150 bis 1300 (Hochmittelalter) entstanden. Nur wenige Städte wie Worms, Heidelberg, Speyer, Bruchsal, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Tübingen, Ulm, Konstanz, Ravensburg, Freiburg und Basel sind bereits vor oder um 1150 entstanden:

 

•Einige wenige Städte römischen Ursprungs, die durchgehend bewohnt waren: Siedlungskern um Bischofssitz: Basel, Straßburg, Speyer, Worms

•Vor 1100 einige Orte um Bischofssitze, Klöster, Kaiserpfalzen: Konstanz, Esslingen; Gründung von Marktorten wie Lindau, Villingen, Pforzheim, Weinheim und Wertheim, die zunächst vor 1100/1150 sog. Marktorte waren, um dann nach 1100/1150  Stadtrecht zu erhalten.

•12. und 13. JH Planstädte des Hochadels – Zähringer (Freiburg) und Staufer (Ravensburg, Schw. Gmünd, Schw. Hall, Weil d. Stadt ....)

•Minderstädte des Niederen Adels (14. JH)

•Wenige Städte des Absolutismus (ca. 1650): Freudenstadt, Ludwigsburg, Karlsruhe

•Industriestädte: Singen, Wolfsburg

 

 

 Zusammenfassung:

 

Die meisten größeren deutschen Städte sind Gründungen des Hochadels (Könige, Herzöge, Grafen, Bischöfe) und erhalten ein Stadtrecht im 12. bzw. 13. Jahrhundert. Vor 1100 gibt es Ansätze zur Stadtentstehung (Marktorte an Burgen, Klöster, Bischofssitzen, Königs-, Kaiserpfalzen).  Voraussetzung für die Gründung von Städten ist ländliche Überproduktion. Erst durch die Überproduktion können Handwerker und Kaufleute von der Nahrungsmittelproduktion freigestellt werden. Wichtige Faktoren für die Entstehung von Städten sind weiter Lage an Verkehrsstraßen, Flüssen, Burgen bzw. geistl. Zentren. Die Burgen und Bischofssitze stellen Nachfrage nach handwerklichen Produkten und Luxusgütern dar, die nur Kaufleute beschaffen können. Andererseits haben nur sie das Geld, um die Waren der Handwerker und Kaufleute erwerben zu können.

 

Jedoch – Städte gab es zur gleichen Zeit überall auf der Welt? Die Frage ist, was macht die „abendländisch-europäische“ Stadt aus? …

 

 

Die Stadtentwicklung im Mittelalter

 

Es waren die Griechen, die um das Mittelmeer die ersten großen Städte in Europa bildeten. Sie prägten den Begriff Polis für den Stadtstaat für ein politisches Gebilde. Mit den Römern begann auch der Hausbau mit festen Materialien im mitteleuropäischen Raum. Damit begann die erste heute noch sichtbare Geschichte der Stadtentwicklung. Die mächtige Porta Nigra in Trier war eines der Stadttore einer der größten und wichtigsten römischen Siedlung in Deutschland. Der Plan der Stadt, nach Fundresten nachgestellt, zeigt Trier zur Römerzeit. Trier war damals eine Kaiserresisdenz mit ca. 70.000 Einwohner. Sie glich einer Großstadt. Die Straßeneinteilung in Rechtecke oder Quadrate, folgte dem Beispiel der griechisch römischen Tradition. An den Rändern passt sich das Schachbrettmuster den unebenen Gelände/Landschaften an. Der Niedergang des Römischen Reiches brachte auch den Niedergang vieler römischer Städte. Einige Städte wie Trier und Köln überlebten als Bischofsresidenz die Wirren der nächsten Jahrhunderte. Ein guter Stantort einer Stadt war immer in der Nähe eines Gewässers. Es gibt keine größere Stadt der Welt die nicht an einem Fluss, See oder Meer gegründet wurde. Viele Städte tragen ihre grünstige Lage sogar im Namen (z. B. Frankfurt am Main, Tangermünde). 1000 n. Chr. Hatten sich viele Städte als Wik- oder Marktorte in enger Nachbarschaft zu geistlichen und weltlichen Machtzentren etabliert. Tangermünde gehörte zu den Hansestädten die später Wohlstand sogar Reichtum erlebten. Die Hansestädte waren eine Vereinigung von Fernhändlern, die bis in das 17. Jhd die herrschende politische und wirtschaftliche Macht an der Ostsee bildeten. Mit dem Stadtrecht, das von den Herrschenden verliehen wurde, war das Recht sogar die Pflicht verbunden, sich zu schützen.

 

Mächtige Toren schützen die Stadt. Ob Mauer, Wall oder Graben jede Stadt war befestigt aber auch klar getrennt vom Umland. Der Spruch: „Bürger und Bauer trennt die Mauer“ trifft am besten zu. Dieses Bild des mittelalterlichen Nürnberg zeigt die eng gedrängten Dächer im Schutz der Mauer und die freien Ackerflächen davor. In Nürnberg trafen alle wichtigen Faktoren für eine florierende Stadt in idealer Weise zusammen: die Lage an einer Kreuzung von wichtigen Handelsstraßen, der Schutz der mächtigen Kaiserburg, in der bis ins 17 Jhd. viele Könige und Kaiser Hof hielten. Und die Pegniz an deren beiden Ufer sich das mittelalterliche Nürnberg entwickelte. Das über die Pegniz gebaute Heiliggeistspital ist schon im Hintergrund dieser frühen Stadtansicht zu erkennen. Nürnberg war des deutschen Reiches Schatzkästlein allein, weil hier die Reichskleinodien (Krone, Schwert und Reichsapfel) aufbewahrt wurden. Neben Augsburg war Nürnberg der Hauptstapelplatz der Waren des Orienthandels. Die goldene Zeit der Ritter war im 15. Jhd. Schon fast vorrüber. Die reichen Bürger die sich solch prächtige Fachwerkhäuser leisten konnten, sahen sich als durchaus ebenbrütig mit den Rittern. Dieses wohlhabende, städtische Bürgertum des Spätmittelalters bildete eine neue Klasse der mittelalterlichen Feudalgesellschaft die Patrizia.

 

Vauban ist der bekannteste Festungsbaumeister des Absolutismus (1650-1800). Er baute sternförmig angelegte Festungsanlagen um bereits bestehende Städte bzw. um die wenigen Städte, die in der Zeit des Absolutismus gegründet wurden (Freudenstadt, Ludwigsburg, (Karlsruhe)).

 

Mit der Industriellen Revolution hatte eine Phase des explosiven Wachstums eingesätzt. Die Gründerzeit von 1871 – 1873 in der eine außerordentliche Zahl von Firmen gegründet wurden, gab einer Epoche die über die Jahrhundertwende dauern sollte, ihren Namen. Stilelemente die in früherer zeit Schlösser vorbehalten waren, zieren nun ganze Häuserzeilen. Die prächtigen, mit Stückplisaden verzierten Häuser waren Ausdruck eines starken neureichen Bürgertums. Auch die Salons der Zeit präsentieren sich in opulenter Eleganz. Die bürgerliche Eleganz in der Jahrhundertwende stand im Kontrast zu den Wohverhältnissen der Kernstädte. Mit der Industrialisierung setzte eine Welle der Land Stadtwanderung ein. Damit verbunden entstand ein unheimlicher Bedarf an Wohnraum. In den berüchtigten Hinterhöfen in der Altstadt war nichts zu spühren von der Eleganz