1. Weimarer Republik


Als Weimarer Republik bezeichnet man das Deutsche Reich in dem Zeitraum zwischen 1918 und 1933. In dieser Zeit herrschte in Deutschland Demokratie. Ihr Name kommt von der thüringischen Stadt Weimar, dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung.



Kampf um die Staatsform beginnt


Am 09.11.1918 begann in Deutschland der Kampf um die Staatsform. Es standen sich der Rat der Volksbeauftragten (Übergangsregierung), deren Ziel eine parlamentarische Demokratie war, und der Großberliner Arbeiter und Soldatenrat, allen voran die kommunistisch gestimmte KPD (kommunistische Räterepublik ähnlich wie in Russland mit nur noch einer wählbaren Partei, der KPD), gegenüber.

Die Entscheidung wurde von vielen Machtfaktoren bestimmt, dazu zählten:


1. Stimmung im Volk, und die Parteien
2. Die bewaffnete Macht aus Teilen der alten Reichswehr, Adel, Freikorps.

3. Die bewaffnete Macht aus Arbeiter und Soldatenrat.
4. Die Presse
5. Die Kirchen
6. Industrie
7. Bürokratie
8. Das Gerichtswesen



Parteien der Weimarer Republik


Es waren so gut wie alle Staatsformen vorhanden: Sozialistische Rätepolitik, parlamentarische Demokratie,
konstitutionelle Monarchie und sogar Einparteiendiktatur. Hier alle im Überblick: Ihre Vertreter, Wähler und ihre Ziele:




 

Man sieht genau, dass die Deutschen mehrheitlich Demokratie wollten.

 



1.1 Weimarer Verfassung



Die Weimarer Verfassung galt als sehr demokratisch und freiheitlich. In ihr galt das Prinzip der Gewaltenteilung, das Volk hatte über Volksbegehren und Volksentscheid die Möglichkeit in die Gesetzgebung einzugreifen und die allgemeinen Grundrechte (Menschenrechte) waren garantiert. Es gab keine 5%-Klausel, auch kleine Parteien waren im Parlament vertreten.

1.)    Einige Rechte, die für uns heute selbstverständlich sind, wurden damals neu in die    Verfassung aufgenommen. Welche waren das?
Gewaltenteilung, freie Wahlen, Mehrparteiensystem, Gleichberechtigung aller Bürger und der Frauen und Männer, Grundrechte (Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, soziale Verpflichtungen, Koalitionsfreiheit und Gewerkschaften).

2.)    Vergleiche nun die Verfassung der Weimarer Republik mit der Bundesrepublik. Schreibe dazu die einzelnen Verfassungsorgane der Exekutive, Legislative und Judikative in die Tabelle.   
   


3.)    
Eine besondere Stellung in der Weimarer Verfassung hatte der Reichspräsident. Welche Befugnisse und Aufgaben hatte er?  Wie wurde er gewählt?
Ernennung des Reichskanzlers und der Minister (nach Mehrheit des Reichstag)
Oberbefehl über die Reichswehr
Auflösung des Reichstages (nur wenn keine Mehrheit im Reichstag vorhanden ist)
Wahl durch Volk alle 7 Jahre
Notgesetzgebung (im Katastrophenfalle)

4.)    
Der Artikel 48 der Verfassung gab dem Reichspräsidenten ein „Notverordnungsrecht“. Wann konnte er davon Gebrauch machen? Welche Grundrechte konnte er damit zeitweise außer Kraft setzen?
Wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Gefahr war konnte er Notverordnungen verabschieden und Gesetze ändern.





 
5.)    Vergleiche beide Verfassungen.  Wie unterscheiden sich die Aufgaben des Präsidenten, des Kanzlers und das Wahlrecht?
Wahlrecht heute ab 18 früher ab 20.
Aufgaben des Präsidenten waren weitreichender als heute, früher Staatsoberhaupt und alle 7 Jahre gewählt.
Aufgaben des Kanzler heute; Staatsoberhaupt, Regierungschef, Befehlsgewalt über die Bundeswehr.
 
Warum hat man dies in unserem Grundgesetz wohl anders geregelt?
5% Hürde für Parteien, früher waren alle Parteien entsprechend ihrem Prozentsatz vertreten.
Besonders gefährlich war das Notverordnungsrecht (Artikel 48) in Kombination mit dem Recht das Parlament aufzulösen (Artikel 25) und dem Recht den Kanzler einzusetzen (Artikel 53).  Zusätzlich mit dem destruktiven Missvertrauenvotum (= die Parteien finden keinen Konsens und der Kanzler wird nicht mehr von einer Mehrheit getragen und kann abgesetzt werden).

Gefahr des Machtsmissbrauchs des Präsidenten = Ersatzkanzler.
Heute gibt es das konstruktive Misstrauensvotum, d. h. wenn ein Kanzler keine Mehrheit mehr hat, muss gleichzeitig ein Neuer, der von einer Mehrheit gestützt wird, gewählt werden.

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

 

 

Im Hintergrund steht immer die Frage: Warum scheiterte die erste deutsche Demokratie? Warum und wie gelang es Adolf Hitler 1933, die Macht zu übernehmen?  Was lernen wir für heute daraus? 


Vermutung: Fehlen einer demokratischen Tradition, antidemokratische Führungsschicht,    Weltwirtschaftskrise, massive Propaganda der NSDAP.



1.2 Die Krisenjahre bis 1923



General Groener (OHL) über sein Bündnis mit Ebert vom 10.11.1918

 

  [...] Am Abend [des 10. November] rief ich die Reichskanzlei an und teilte Ebert mit, daß das Heer sich seiner Regierung zur Verfügung stelle, daß dafür der Feldmarschall und das Offizierskorps von der Regierung Unterstützung erwarteten bei der Aufrechterhaltung der Ordnung und Disziplin im Heer. Das Offizierskorps verlange von der Regierung die Bekämpfung des Bolschewismus und sei dafür zum Einsatz bereit. Ebert ging auf meinen Bündnisvorschlag ein. Von da ab besprachen wir uns täglich abends auf einer geheimen Leitung zwischen der Reichskanzlei und der Heeresleitung über die notwendigen Maßnahmen. Das Bündnis hat sich bewährt. [...] Wir [die Offiziere der O.H.L.] hofften, durch unsere Tätigkeit einen Teil der Macht im neuen Staat an Heer und Offizierskorps zu bringen, gelang das, so war der Revolution zum Trotz das beste und stärkste Element des alten Preußentums in das neue Deutschland hinübergerettet. Zunächst galt es freilich Zugeständnisse zu machen, denn die Entwicklung im Heer und in der Heimat war solche Wege gegangen, daß es sich vorerst nicht um rücksichtsloses Befehlen von seiten der O.H.L. handeln konnte, sondern um Auffangen und Unschädlichmachen der revolutionären Strömungen.

 



1. Mit welchen Mitteln kann sich die demokratische Regierung (SPD, Zentrum, DDP) zunächst behaupten ?

Sie verbünden sich mit den alten monarchistischen Offiziere und Teilen der alten Reichswehr und der DNVP  und der USPD, der KPD und vor allem die Gewerkschaften. Am wichtigsten dabei sind die Gewerkschaften durch die rechte Putschversuche ( Kap-Putsch 1920) durch Generalstreiks vereitelt wurden

 

2.Inwiefern macht Friedrich Ebert einen Fehler, indem er mit der alten Reichswehr kooperiert/zusammenarbeitet (Ebert-Groener-Pakt)?

Er gibt der Reichswehr bzw. den Offizierskorps macht zurück. Es entsteht eine Art Staat im Staat.  Die Reichswehr und ihre Unterstützter warten auf eine bessere Gelegenheit zur Beseitigung der Demokratie. In der Zwischenzeit schürt man Krisen und macht Propaganda gegen die Demokratie: eine der bösartigsten Propaganda Lügen war die so genannte „Dolchstoßlegende“ 

 

3.Wie würde Ebert die Politik der Regierung rechtfertigen?

Durch die Notwendigkeit die linken Aufstände und rechte Putsche niederzuschlagen. Er behauptete es wäre auf die schnelle nicht genügend demokratische Truppen aufzustellen gewesen.  

 



1.3 Das Krisenjahr 1923




Die Dolchstoßlegende

Kaum eine andere Parole hat so viel zur Zerstörung der Demokratie in der Weimarer Republik (1918 bis 1933) beigetragen. Bald nach der Niederlage der deutschen Streitkräfte im Ersten Weltkrieg war in Zeitungen zu lesen, das deutsche Heer sei im Felde unbesiegt, aber von hinten, aus der Heimat heraus, mit einem Dolchstoß erledigt worden. Der Vorwurf richtete sich vor allem gegen die am 3. Oktober 1918 gebildete parlamentarische Regierung und schließlich gegen Parlamentarismus und Demokratie überhaupt. Besonders verhängnisvoll war die Aussage des Feldmarschalls Paul von Hindenburg. Damit wollte er die Demokraten- und Arbeiterbewegung für die Niederlage verantwortlich machen, da diese Vaterlandsverräter durch ihre Friedensforderungen und Arbeitsniederlegungen gegen Ende des Krieges der tief im Feindesland stehenden, im Felde unbesiegten Armee in den Rücken gefallen seien und Heer und Flotte heimlich und planmäßig zersetzt hätten.
Hindenburg täuschte damit bewusst die Öffentlichkeit, denn er selbst hatte zusammen mit der Obersten Heeresleitung im Oktober 1918 die Forderung nach einem Waffenstillstandsgesuch erhoben, mit der Feststellung, die militärische Niederlage sei unabwendbar.




Der Versailler Vertrag


Der Versailler Vertrag sorgte für heftige Kritik gegen die Weimarer Republik besonders von Seiten der Rechten (alte Reichswehr usw.), da er als Erniedrigung des deutschen Volkes angesehen wurde. Er wurde von den Rechten zu Propagandazwecken genutzt, indem man dem Volk einredete, die Demokraten hätten den Versailler Vertrag verursacht, indem sie ihn unterzeichneten. In Wahrheit lagen die Ursachen natürlich viel tiefer. Es war ein Hauptziel der deutschen Außenpolitik, den Versailler Vertrags aufzuheben.















Die Besetzung des Ruhrgebiets

Reparationslieferungen:

132 Milliarden Goldmark in 66 Jahresraten zu entrichten

August 1922 Verzicht auf Geldleistungen, aufgrund schlechter finanzieller Lage DE

Erhöhung der Güterlieferungen (Holz, Kohle)


Besetzung des Ruhrgebietes:

Ende 1922 konnte Deutschland nicht liefern

            -> Frankreich sieht einen Vertragsbruch, da es selbst durch den Krieg dicke Rote

                  Zahlen schrieb.


Daraufhin wurde das Ruhrgebiet ab dem 11.1.1923 von französischen und belgischen  Truppen (60 000 Soldaten) besetzt.


Passiver Widerstand:
Der Einmarsch der Franzosen löste deutschlandweit Entrüstung aus. Selbst die Deutsche Regierung unter Wilhelm Cuno protestierte dagegen und stellte sowohl Reparationszahlungen als auch Reparationslieferungen ein. Die Folge war der Aufruf zum passiven Widerstand.

Den Beamten wurde untersagt, den Befehlen der Franzosen zu folgen; die Bevölkerung verweigerte die Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht.



Belagerungszustand:

Als Strafe dafür verhängte der französische Ministerpräsident Poincaré den Belagerungszustand. Dazu kam, dass Bergwerke und Fabriken stillgelegt und geschlossen wurden, öffentliche Gelder und Firmenkassen wurden beschlagnahmt und ca. 150.000 Menschen („Staatsdiener“) wurden ausgewiesen; Ministern wurde die Einreise untersagt.



Ruhrkampf :
Auf beiden Seiten kam es ebenfalls zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Gegen den Willen der Regierung wurden von deutscher Seite Sabotage- und Sprengstoffanschläge auf Verkehrswege und Transportmittel verübt, um den Abtransport von Gütern zu verhindern. Französische Soldaten erschossen in Essen 13 streikende Arbeiter und in Dortmund 7 Männer, die eine verhängte Ausgangssperre überschritten hatten.
Der Ruhrkampf forderte insgesamt 137Menschenleben, der wirtschaftliche Schaden belief sich auf 3,5 bis 4 Milliarden Goldmark.


Aufgabe des Widerstandes:

Die deutsche Wirtschaft, die durch die Geldinflation angeschlagen war, konnte die Kosten der rasenden Inflation nicht mehr verkraften. Deshalb hat die neue Regierung mit Gustav Stresemann beschlossen, den Widerstand dagegen aus finanziellen Gründen am 26 September 1923 aufzugeben. Bei der Bevölkerung hinterließen die Auseinandersetzungen betroffene Gebiete und einen gesteigerten Hass auf die Franzosen.





Die große Inflation


Ursachen

Die Entwicklung der Inflation in Deutschland begann mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Ein drittel des Geldumlaufs war durch Goldreserven oder auch durch andere Sicherheiten gedeckt. Durch die Aufhebung dieser Reserven, da man diese zur Finanzierung der Krieges benötigte, druckte das deutsche Reich immer mehr Geldscheine . Bis Kriegsende verfünffachte sich die Menge des Geldes. Dies führte zur Preissteigerungen und der Wert des Geld verringerte sich stark. 1916 wurden dann alle Silber und Goldmünzen eingezogen um den Krieg zu finanzieren. Auch durch die Kriegsanleihen, die nach gewonnen Krieg zurückgezahlt werden sollten, entstand die hohe Staatsverschuldung (ca. 150 Milliarden Goldmark). Ab 1918, nach Kriegsende, musste man für den Wiederaufbau, soziale Leitungen für Kriegsopfer und Hinterbliebene laufend neue Kredite aufgenommen werden.
Als dann 1921 auch noch die Reparationszahlungen (132 Milliarden Goldmark) dazukamen, verschlimmerte sich die Lage nochmals enorm. Das ließ den Wert der Mark weiter absinken und die Preise steigen weiter. Nicht einmal um die Zinsen der Staatsschulden zu tilgen reichten die Einnahmen des Staates.



Verlierer der Inflation
Die größten Verlierer der Inflation waren vor allem Arbeitnehmer, Rentner, Vermieter und die Besitzer von Bargeld oder Sparguthaben. So z. B. wer vor dem Krieg 10 000 Goldmark für seine Altersversorgung angespart hatte, dem blieben davon Ende 1923 noch 0,0001 Pfennig.



Gewinner der Inflation
Gewinner der Inflation waren  diejenigen, die verschuldet waren, da sie diese mit wertlosem Geld begleichen konnten. Auch die Besitzer von Fabriken,
Häusern und Grundstücken profitierten, solange sie diese nicht verkauften. Auch Exportunternehmer machten gute Geschäfte, da sie ihre Lohn- und Betriebskosten durch die Inflation stark senken konnten
Während viele Sparer alles verloren, gab es aber auch Leute, die in dieser Zeit viel Geld gewannen.
Zum Beispiel  Hugo Stinnes: Er kaufte von 1920 bis 1922 auf Kredit Anteile an mehr als 1600 Betrieben, die er dann problemlos mit der wertlosen Goldmark zurückzahlen konnte
Einer der größten Gewinner war aber auch der Staat selbst. Die gesamten Kriegsschulden von 164 Milliarden Goldmark betrugen 1923 bei der Währungsreform nur noch 16,4 Pfennige, was natürlich die diejenigen ärgerte, die ihr Geld in Kriegsanleihen investierten. Dies schwächte das Vertrauen zwischen Bevölkerung und dem Staat noch mehr.



Währungsreform
Eine neue Regierung unter Gustav Stresemann, bestehend aus einer "Großen Koalition" von SPD, DDP, Zentrum und DVP leitete am 15. November eine 1923 neue Währungsreform ein, die Rentenmark. Nun erhielt man für 1 Billion Papiermark 1 Rentenmark. Die Rentenmark wurde jedoch am 30. August 1924 durch die goldgedeckte Reichsmark abgelöst, die auch im internationalen Zahlungsverkehr voll anerkannt war

 

 

Der Hittler-Putsch

Politische Lage in Bayern
In Bayern und in München wurde die Entscheidung zu einer Reichsregierung nicht akzeptiert. Stattdessen kam es zu einer Hochburg rechtsradikaler Parteien und Gruppierungen. Wegen ihrem großen Willen die alte Monarchie fortzuführen haben sie Gustav Ritter von Kahr zu ihrem „Monarchen" gemacht. Sie übertrugen ihm die diktatorische Vollmacht.

Sogar die Reichswehr in Bayern unter Generalleutnant Otto von Lossow weigerte sich Befehle aus Berlin auszuführen.

Diese kritische Lage versuchte Adolf Hitler zusammen mit Erich Ludendorf, einer der berühmtesten Generäle im ersten Weltkrieg, für seine Zwecke auszunutzen.

Er war Führer der NSDAP, einer ebenfalls rechtsradikalen Partei. Es sprach zwar von einer gemeinsamen Durchsetzung der Monarchie, verfolgte jedoch eigene Interessen                 


Versammlung im Bürgerbraukeller

Am Abend des 8. Novembers wurde eine Versammlung von wichtigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Militär gehalten. Hitler stürmte diese Versammlung und konnte von Kahr, von Seißer und von Lossow dazu überreden ihn zu unterstützen, indem sie ihm halfen die Regierung zu stürzen. Sie widerriefen dies jedoch ein paar Stunden später wider und alarmierten die Polizei zur Niederschlagung des Aufstandes.


Marsch auf die Feldherrnhalle

Hitler erkannte das sein Putschversuch nicht genug Unterstützung bekam und plante daraufhin eine Demonstration mit einigen tausenden Anhängern. An der Feldherrnhalle wurde die Menge von einer Polizeiabsperrung aufgehalten. 17 Menschen starben, Hitler konnte fliehen.


Der Hitlerprozess

Zwei Tage später konnte Hitler gefasst werden, und wurde wegen Hochverrats zu 5 Jahren Haft verurteilt. Die NSDAP wurde im gesamten Reich verboten. Das Urteil fiel so milde aus, da die Richter Sympathien für Hitler hegten. Er saß von den 5 Jahren jedoch nur 9 Monate ab.


Folgen des Krisenjahrs 1923:
Bei den Wahlen im Mai 1924 (Wahlergebnisse 1924) radikalisierung der Wählerschaft nach links (KPD ca. 12%) und nach rechts (DNVP 19,5%, NSDAP 6,6%)



1.4 Außenpolitik 1923-1929

Gustav Stresemann: Kanzler vom Aug. bis Nov. 1923;
Außenminister von 1923 bis 1929

Quelle 1
Kronprinzenbrief   Auszug
Gustav Stresemann antwortet auf ein Brief des preußischen Kronprinzen, der Bedenken äußert zum beabsichtigten Eintritt Deutschlands in den Völkerbund


Aus der Antwort Dr. Stresemanns vorn 7. September 1925:
... Zu der Frage des Eintritts in den Völkerbund möchte ich folgendes bemerken: die deutsche Außenpolitik hat nach meiner Auffassung für die nächste, absehbare Zeit drei große Aufgaben:
Einmal die Lösung der Reparationsfrage in einem für Deutschland erträglichen Sinne und die Sicherung des Friedens, die die Voraussetzung für eine Wiedererstarkung Deutschlands ist.
Zweitens rechne ich dazu den Schutz der Auslandsdeutschen, jener zehn bis zwölf Millionen Stammesgenossen, die jetzt unter fremdem Joch in fremden Ländern leben.
Die dritte große Aufgabe ist die Korrektur der Ostgrenzen: die Wiedergewinnung von Danzig, vom polnischen Korridor und eine Korrektur der Grenze in Oberschlesien.
Im Hintergrund steht der Anschluß von Deutsch-Osterreich.. .
Wollen wir diese Ziele erreichen, so müssen wir uns aber auch auf diese Aufgaben konzentrieren. Daher der Sicherheitspakt, der uns einmal den Frieden garantieren und England, sowie ... Italien als Garanten der deutschen Westgrenze festlegen soll. Der Sicherheitspakt birgt andererseits in sich den Verzicht auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich wegen der Rückgewinnung Elsaß-Lothringens...
Die Sorge für die Auslandsdeutschen spricht für den Eintritt in den Völkerbund ... Die Bedenken, daß wir im Völkerbund überstimmt werden, gehen von der falschen Voraussetzung aus, daß es in diesem Völkerbundsrat, der die Entscheidung hat, eine Überstimmung gibt. Die Beschlüsse des Völkerbundsrats müssen einstimmig gefaßt werden ...

 aus: Michalka, W./Niedhart, G.: Die ungeliebte Republik. [dtv-Dokumente 2918], München 1980, S. 162 ff


Adolf Hitler: Reichskanzler und „Führer“ 1933 - 1945

Quelle 2
„Über die Notwendigkeit des imperialistischen Krieges und der Eroberung Russlands“ aus A. Hitler, Mein Kampf 1925/26


Demgegenüber müssen wir Nationalsozialisten unverrückbar an unserem außenpolitischen Ziele festhalten, nämlich dem deutschen Volk den ihm gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu sichern. Und diese Aktion ist die einzige, die vor Gott und unserer deutschen Nachwelt einen Bluteinsatz gerechtfertigt erscheinen läßt...
A. Hitler, Mein Kampf, München (1925/26) Ausgabe 1934, S. 739.

Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft.
Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und das Ende der Judenherrschaft in Russland wird auch das Ende Russlands als Staat sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassentheorie sein wird.

A. Hitler, Mein Kampf, München (1925/26) Ausgabe 1934, S. 742.


1) Vergleiche die außenpolitischen Ziele Gustav Stresemanns mit denen Adolf Hitlers. Welche Folgen dürfte die jeweilige Außenpolitik für Deutschland und die Welt haben?

 

Gustav Stresemann will durch den Eintritt in den Völkerbund außenpolitischen Frieden bezwecken. Dies soll auch eine kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich vermeiden. Zudem will Stresemann durch geschicktes Handeln Danzig, vom polnischen Korridor wiedergewinnen und eine die Grenze in Oberschlesien korrigieren. Er versucht außerdem Deutschland außenpolitisch wieder in ein besseres Licht zu rücken.


Adolf Hitler hingegen sieht sich vom Schicksal auserwählt Deutschland zu vergrößern. Hierbei betrachtete er hauptsächlich Russland. Er beschreibt, dass der Krieg und der Bluteinsatz der Deutschen von Gott gerechtfertigt ist.

 

Fazit: Man kann also sagen, dass Gustav Streseman bestrebt ist Frieden zu erreichen um kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden, Gebiete durch politisches Handeln zurückgewinnen, Deutschland besser dar zu stellen und auch um wirtschaftlich (Export) zu profitieren. Hitlers Ziele hingegen sind nur mit Krieg zu erreichen. Manche seiner Wähler wussten dies bestimmt (Freikorps, alte monarchistische Offiziere..), doch ein Großteil ahnte wahrscheinlich nichts.      

 

Ergebnisse der Politik Stresemanns:


1925 Vertrag von Locarno:

Deutschland verzichtet endgültig auf Elsass-Lothringen. Man behält sich friedliche Revision der Ostgrenze vor GB, I, B, D, F garantieren den Vertrag

 

1924 Dawes-Plan Reparationszahlungen auf 2 Mrd. RM jährlich begrenzt. D erhält eine Finanzspritze (800 Mill. $) zur Belebung der Wirtschaft
1925 Franzosen räumen das Ruhrgebiet

1926 Dtld.  wird Mitglied im Völkerbund (internationale Anerkennung)

1926 Neutralitätspakt mit der Sowjetunion (SU)

1929 Young-Plan: 1-2 Mrd. RM jährlich bis 1988 (Reparationen)

1930 vorzeitige Räumung des Rheinlandes d. die Franzosen

1932 Reparationen mit Endzahlung von 3 Mrd. RM abgeschlossen


Weltwirtschaftskrise

 

Ursachen der Wirtschaftskrise
Nach dem Ersten Weltkrieg benutzte man neue Technologien, wie z. B. Fließbandproduktion. Dadurch konnte man größere Mengen Waren herstellen zu einem geringeren Preis. Spitzenreiter war hierbei die USA, welche am meisten durch den ersten Weltkrieg verdienten ( Waffenverkäufe an GB, F). Der wirtschaftliche Erfolg der Unternehmen führte an der Börse zu laufend steigenden Aktienkursen in Amerika. Ab 1928 wurden immer mehr Aktien über  Kredite finanziert. Da in die Unternehmen immer mehr Aktien investiert wurden, erhöhten sie die Produktion noch weiter. Die Folge daraus war eine Überproduktion: Es konnten nicht mehr genug Käufer für die produzierten Produkte gefunden werden. ( Überproduktionskrise). Nun bekamen viele Banken ihre Kredite nicht mehr zurück. Es wurden auch immer mehr Arbeiter entlassen und die Produktion eingeschränkt. Natürlich reagierte darauf auch die Börse. Es wurden immer mehr Aktien verkauft, was dann am Dienstag, dem 29. Oktober 1929 zum Zusammenbruch der Börse in New York führte  ("Schwarze Freitag"). Bis 1932 sank der Dow Jones (Amerikanischer Aktienindex) um 85%

 

 

Die Weltwirtschaftskrise
Die Weltwirtschaftskrise erfasste alle Wirtschaftsbereiche, sogar die Landwirtschaft. Es kam zur Entlassungen und darauf folgte die Arbeitslosigkeit. 1933 waren ca. 13 Mio. Amerikaner ohne Arbeit. Folge daraus war ein starken Rückgang des Welthandels. So sprang die Krise auch auf andere Staaten über und verbreitete sich weltweit. Auch zogen jetzt die Banken ihre Auslandskredite zurück, was die Lage nochmals verschärfte.

Auswirkungen auf Deutschland

Am schlimmsten in Europa traf es Deutschland, da Deutschland am meisten von amerikanische Krediten abhängig war. Viele Firmen hatten nicht genug Eigenkapital und mussten Konkurs anmelden. Dadurch begann der gleiche Teufelskreis wie in den USA. Viele Menschen wurden arbeitslos und die Kaufkraft sank weiter und die Produktion musste eingeschränkt werden. Die Industrieproduktion viel von 1929 bis 1932 um 40%


Bankenkrise
Auch die Banken waren hart von der Krise betroffen: Firmen konnten ihre schulden nicht begleichen. Und zudem mussten sie US-Kredite zurückzahlen. Viele Sparer hoben ihr Sparguthaben ab, da sie von der Inflation misstrauisch geworden waren, was natürlich einige Banken erst recht in den Bankrott trieb.

Die Lage der Arbeitslosen
Die Lage der Arbeitslosen war hoffnungslos. Viele Arbeitslose waren unter 25 und für ältere Menschen bestand gar keine Hoffnung mehr einen Job zu finden. Wer noch Arbeit hatte wurde schlecht bezahlt und musst ständig mit einem Verlust des Arbeitsplatzes rechnen. Selbst Selbstmorde aus wirtschaftlicher Not häuften sich. Auch die Obdachlosigkeit nahm zu und die Kriminalitätsrate stieg an.



 

 

Maßnahmen der Regierung
Die Regierung versuchte es mit sparen: Keine Aufträge mehr an die Industrie, Gehälter der Beamte kürzen und die Sozialabgaben senken. Dies führte dazu das die Kaufkraft der Bevölkerung weiter sank und die Arbeitslosigkeit weiter anstieg. Die Bevölkerung war enttäuscht und wählte vermehrt die NSDAP, welche Lohn und Arbeit für alle versprach.


1.5 Niedergang der Weimarer Republik


Aufstieg der NSDAP

 

Die erste Deutsche Demokratie hielt nicht einmal 3 Jahrzehnte. Wenn man Gründe für das Scheiter sucht muss man beim Ersten Weltkrieg beginnen.  Der Erste Weltkrieg wurde von den Eliten aus dem Kaiserreich (vor allem Adel) in Reichswehr, Bürokratie und Justiz provoziert. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die erste Deutsche Demokratie, welche aus den Parteien SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschland), Zentrum, DDP (Deutsche Demokratische Partei) und DVP ( Deutsche Volkspartei) bestand. Die Demokratie wurde zuerst vom Bürgertum und der Arbeiterschaft unterstützt. Sie wurde aber nicht nur unterstützt sondern auch massiv bekämpft von links sowie von rechts ( Eliten aus dem Kaiserreich). Von links von der KPD ( Kommunistische Partei Deutschland), welche eine sozialistische Rätepolitik und die Verstaatlichung der Firmen forderte und auch durch die Arbeiterschaft unterstützt wurde und von rechts am Anfang hauptsächlich nur von der DNVP ( Deutschnationale  Volkspartei), die wieder die alte Monarchie aus dem Kaiserreich wollte und gegen Ende der Weimarer Republik von der NSDAP ( Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), welche eine Einparteiendiktatur bevorzugte. Die erste Demokratie wurde stark durch die Folgeprobleme z.B. Not, Bürgerkrieg und vor allem der Versailler Vertrag und die Krisen nach dem Ersten Weltkrieg wie  Inflation , Ruhrbesetzung und Weltwirtschaftskrise geschwächt. Natürlich konnte dafür die demokratische Regierung gar nichts, aber durch massive und moderne Propaganda versuchten die Rechten aus der DNVP und NSDAP alles der Regierung in die Schuhe zu schieben. Das schwächte die Demokratie enorm und stärkte die NSDAP stark. Zudem wurde die NSDAP durch den Pressezar Hugenberg, der 30% alles Tagezseitungen besaß und diesen zugunsten der NSADAP und ihrem Führer Hitler kontrollierte. In der Weltwirtschaftskrise machte sich die Propaganda der NSDAP bezahlt immer mehr Menschen wählten die NSDAP welche die Lösung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme versprach, aber auch nicht mehr.

Dies machte sich in den Wahlen 1930, 1932 und 1933 sichtbar.